Stefan Ackermann, Studierender an der Akademie für Erneuerbare Energien

Stefan Ackermann

Pressespiegel Zweite Karriere in den Erneuerbaren / Die Welt 26. 11. 2011

Die Energiewende braucht Fachkräfte. Berufsbegleitende Weiterbildungen schaffen auch Möglichkeiten für Quereinsteiger.

Die Software-Entwicklung ist ein schnelllebiges Geschäft. Zu schnelllebig findet Stefan Ackermann und beschließt, nach zehn Jahren als freiberuflicher Software-Entwickler das Arbeitsfeld zu wechseln. Im Herbst 2009 beginnt der Betriebswirt einen berufsbegleitenden Master an der Akademie für Erneuerbare Energien Lüchow-Dannenberg. „An der Energiewende beteiligt zu sein und mit meiner Arbeit etwas Bleibendes zu bewirken – das hat mich sehr gereizt“, sagt Ackermann.

Die Aussichten, dass Ackermanns Plan aufgeht, sind gut. Fachkräfte im Bereich der regenerativen Energien werden händeringend gesucht: Dem Wissenschaftsladen Bonn zufolge sind im vergangenen Jahr 25 000 neue Jobs hinzugekommen. In diesem Jahr werden es ähnlich viele sein. Bis 2020, so die Prognose des Bundesverbands Erneuerbare Energien, wird sich die Zahl der Beschäftigten im Bereich der Erneuerbaren von heute 370 000 auf 500 000 erhöhen. Bis zum Jahr 2030 rechnet die Branche sogar mit 700 000 Stellen. „Gerade für Quereinsteiger sind berufsbegleitende Weiterbildungen eine hervorragende Chance, um auf den Zug aufzuspringen“, meint Theo Bühler, Geschäftsführer des Wissenschaftsladens Bonn. Sie seien ein guter Ersatz für die fehlende Branchenerfahrung.

Wer dagegen schon Praxiskenntnisse vorweisen kann, braucht kaum mehr ein Zertifikat, um die Karriereleiter hinaufzusteigen. Ob Windkraftanlagen-Planer oder Biomasse-Spezialist – die Firmen wären bereit, Akademikern mit entsprechender Projekterfahrung einiges zu bieten. Nur: Sie finden sie nicht auf dem Markt.

Software-Entwickler Ackermann findet schon heute, kurz vor dem Abschluss seiner Masterthese, dass sich das erneute Studium für ihn gelohnt hat. Einen Kunden aus der Photovoltaik hat er bereits seit 2006, die Zusammenarbeit hat sich im Laufe seiner Fortbildung gefestigt. Ein Gewinn für beide.

Als Ackermann sich für den viersemestrigen Master Erneuerbare Energien entscheidet, ist die Auswahl an akademischen Weiterbildungen noch nicht groß. Inzwischen differenziert sich das Angebot allmählich aus. „Berufsbegleitende Weiterbildungen in Sachen Erneuerbare Energien sind bislang ein flankierendes Element“, sagt Bildungsmarkt-Experte Bühler. „Aber sie werden immer wichtiger.“ Je stärker die Unternehmen Fachkräfte nachfragen, umso interessanter werden auch Quereinsteiger für sie – vor allem, wenn sie Branchenkenntnisse mitbringen.

Voraussetzung ist meist mindestens ein Bachelor-Abschluss. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlands bietet aber auch einen berufsbegleitenden Bachelor Energiemanagement an. Die Universität Koblenz-Landau wiederum hat ihren Master Energiemanagement ebenfalls für Bewerber ohne Hochschulabschluss geöffnet, wenn sie mindestens fünf Jahre einschlägiger Berufserfahrung nachweisen können.

Entsprechend bunt zusammengesetzt sind die Aspiranten des Erneuerbare Energien Masters in Lüchow-Dannenberg. Ackermanns Kommilitonen sind Physiker, Banker, Marketing- oder Software-Spezialisten. Doch längst nicht alle halten das Studium durch. Nach einem Semester haben neun seiner 24 Kommilitonen abgebrochen. Die Gründe sind verschieden, aber das Studium kostet. Und wer nicht sicher ist, ob er es bis zum Ende durchhält, steigt eher schnell wieder aus.

Das Fernstudium im E-Learning hat Ackermann bewusst gewählt, um nebenbei fast wie gehabt weiterarbeiten zu können. Der Nachteil: Die Mehrbelastung – im Schnitt etwa 15 Stunden pro Woche – rutscht meist automatisch ins Wochenende. „Familie und Freunde müssen das auch mittragen. Sonst geht es nicht“, sagt Ackermann.

Alle drei Wochen fährt er für die Präsenztage etwa 640 Kilometer von München nach Lüchow-Dannenberg. „Sich auch persönlich kennenzulernen und auszutauschen war sehr wichtig“, findet Ackermann. „Hier sind wir als Gruppe zusammengewachsen.“ Aber auch online lässt es sich gemeinsam lernen: Die Studenten vernetzen sich in virtuellen Lerngruppen, diskutieren Übungsaufgaben.

Auf die Kombination aus Präsenzzeiten und E-Learning setzt auch die Universität Freiburg. Seit Februar vergangenen Jahres bietet sie gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für solare Energietechnik den deutschlandweit ersten berufsbegleitenden Online-Fernstudiengang Master Online Photovoltaics an. Er dauert sechs Semester und liegt von seinen Schwerpunkten zwischen der Physik und der Elektrotechnik.

Martin Kasemann, Koordinator des Studiengangs, sieht den Vorteil des Online-Studiums vor allem in den gestiegenen Möglichkeiten der Wissensvermittlung. Neben Textmaterialien gibt es sogenannte e-Lectures, bei denen die Dozenten Powerpoint-Folien besprechen. „Besonders zur Motivation, Einführung und Bündelung von Themen sind diese Vorlesungen bei den Studenten beliebt“, sagt Kasemann. Übungsgruppen treffen sich regelmäßig im virtuellen Klassenzimmer und als Lernkontrolle gibt es begleitende Multiple-Choice-Tests.

Um es Berufstätigen in Zukunft leichter zu machen, ihr Studium in den Alltag zu integrieren, plant die Universität Freiburg feingliedrigere und modulare Weiterbildungsformate. Schon heute gibt es das Diploma of Advanced Studies, das etwa einen Umfang von zwei Semestern hat. Daraus könnte, so Kasemann, schon bald eine Art Baukastensystem werden, nach dem mehrere “Diplomas” auf einen Master angerechnet werden.

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