Interview mit Thankmar Corleis, 2. Jahrgang Master Erneuerbare Energien

Thankmar Corleis Student Master Erneuerbare Energien

Interview vom 11.03.2014

Herr Corleis, Sie haben viele Jahre in Ihre Bildung investiert: Zunächst eine Lehre zum Landwirt, dann ein Bachelorstudium der Agrarwissenschaften und schließlich eine Fortbildung zum Landwirtschaftsmeister. Nun haben Sie dazu noch den Masterstudiengang Erneuerbare Energien an der Akademie in Lüchow so gut wie abgeschlossen. Wie kam es dazu?

Die Entscheidung zum Masterstudium kam eher spontan, eigentlich wollte ich nach dem Meister fertig sein. Aber das Thema der erneuerbaren Energien beschäftigt mich schon seit Jahren. 2004 habe ich mir meine erste Photovoltaikanlage aufs Dach gebaut und danach in eine Holzheizung investiert. Zuvor wurde bei uns in der Gemeinde ein Bürgerwindpark errichtet. Ab 2009 waren die erneuerbaren Energien durch das EEG 2009 enorm lukrativ und ich wollte an dem Boom partizipieren. Außerdem war mir der Abschluss wichtig – mit dem Master stehen mir alle Türen offen und man weiß ja nie, was kommt.

Warum profitieren Landwirte besonders von der berufsbegleitenden Studiengestaltung, also einem Wechsel zwischen Online- und Präsenz-Lernzeiten?

Für mich wäre ein Vollzeitstudium nicht in Frage gekommen, weil ich ja den Betrieb habe. Nach dem Bachelorstudium wollte ich unbedingt zurück auf den Hof. Der Wechsel zwischen Online- und Präsenzphasen war für mich daher sehr gut: Morgens habe ich zwei bis drei Stunden für das Studium gelernt, den Rest des Tages habe ich auf dem Hof gearbeitet. Das ist als selbstständiger Landwirt gut machbar. Alle drei bis vier Wochen bin ich zum Präsenzwochenende nach Lüchow gefahren. Ich will nicht sagen, dass es wie Urlaub war, aber es war gut, zwei Tage aus dem Betrieb rauszukommen, interessante Themen wissenschaftlich zu erarbeiten, dabei ein schönes Hotel zu haben und die anderen Kommilitonen zu treffen.

Welche Studieninhalte waren für Sie am interessantesten?

Besonders spannend fand ich die Fächer Energiewirtschaft, Energiecontracting und Energiehandel. Aber auch Managementmethoden waren sehr interessant, also Projektfinanzierung und -management sowie Anlagenplanung.

Konnten Sie das erlernte Wissen bei sich auf dem Hof anwenden?

Lassen Sie mich so sagen: Die Schweine wachsen jetzt nicht schneller. Aber das ganze System der erneuerbaren Energien ist ja in der Landwirtschaft integriert, so z.B. durch die PV-Anlage auf dem Dach und das Windrad auf dem Feld. Hier hat mir das Studium zu meinem Handeln und Tun ein klares Verständnis gegeben. Themen wie Projektfinanzierung und -management sind zudem für jeden Hof relevant und können eins zu eins in die Landwirtschaft übersetzt werden. Und letztendlich sind auch Energiecontracting und -management Themengebiete, die ich direkt auf meinem Hof anwenden kann.

Wie beurteilen Sie das gemeinsame Studieren von Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern, den sogenannten interdisziplinären Ansatz des Studiengangs?

Einige Themen im Studiengang waren für mich völlig neu und auch schwer, z.B. thermische Energieumwandlungsverfahren. In solchen Fällen hat man sich in der Gruppe gut ausgetauscht. Die Ingenieure haben den Wirtschaftswissenschaftlern unter die Arme gegriffen und in anderen Fächern war es andersherum. Ich konnte meine Kommilitonen z.B. im Modul biotechnische Systeme unterstützen, wo es um biogene Stoffe und Kraftstoffe ging. Insgesamt hatte jeder die Chance, sich mit der Hilfe der anderen in alle Fächer reinzuarbeiten, auch wenn man zuerst keine Ahnung hatte.

Wie empfanden Sie die persönliche Betreuung durch die Professoren und Dozenten und das Team der Akademie?

Man merkt, dass man an einer privaten Akademie ist. Anders als an großen Hochschulen bekommt man hier eine sehr enge und persönliche Rundum-Betreuung. Die Akademie hat sich immer gut um alles gekümmert und ich habe mich gut aufgehoben gefühlt. Auch die Professoren waren bemüht, alles auf die Bedürfnisse von berufsbegleitend Studierenden abzustimmen. Alle Telefontermine wurden z.B. auf abends gelegt und Aufgaben so gestellt, dass man auch neben dem Beruf genug Zeit hatte, sie zu lösen.

Und zu guter Letzt: Gibt es etwas, das Sie neuen Studieninteressenten für den Masterstudiengang mitgeben wollen?

Ich würde Ihnen sagen: Nur Mut! Wenn man wie ich von den Agrarwissenschaften kommt, findet man in diesem Master einiges wieder, was man im Bachelor schon mal gehört hat, und kann auf die wissenschaftlichen Grundlagen, die man sich im Bachelor angeeignet hat, zurückgreifen. Insofern ist das Studium auch für Agrarwissenschaftler gut machbar.


Thankmar Corleis (33 Jahre) ist Landwirt im Landkreis Stade und bewirtschaftet einen Schweinemastbetrieb mit Ackerbau. Nach dem Abitur hat er zunächst eine Lehre zum Landwirt gemacht, später ein Bachelorstudium der Agrarwissenschaften an der Universität Göttingen absolviert. Danach folgte die Hofübergabe und die Fortbildung zum Landwirtschaftsmeister. Thankmar Corleis ist Student des 2. Masterjahrgangs Erneuerbare Energien an der Akademie für erneuerbare Energien in Lüchow-Dannenberg.

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