8. Biogas-Fachkongress

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Die Bioenergie ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Energiewende

Unter dem Motto „Biogas: effizient, wirtschaftlich, akzeptiert?“ fand am 28. November bereits zum achten Mal der Biogas-Fachkongress in Hitzacker statt. Mehr als 160 Teilnehmer nahmen an dem von der Akademie für erneuerbare Energien ausgerichteten Kongress teil. „Diese Fachveranstaltung hat sich in den zurückliegenden sieben Jahren zu einem bedeutenden Forum der Branche entwickelt und erhält auch internationale Aufmerksamkeit“, unterstrich Herr Teske, erster Kreisrat des Landkreises Lüchow-Dannenberg, in seinem Grußwort. Auch Herr Herzog, stellvertretender Bürgermeister der Samtgemeinde Elbtalaue, bedankte sich für das „umfangreiche und kompetente Programm.“ Das Gebot der Stunde sei nun, regionale Identität und damit Akzeptanz zu schaffen. „Die Menschen mitnehmen reicht nicht mehr, sie müssen aktiv im Mittelpunkt stehen.“ So könne sich der Landkreis durchaus mit dem Gedanken beschäftigen, eine regionale Energiegesellschaft zu gründen.

Herr Seide, Präsident des Fachverbands Biogas und Schirmherr des Biogas-Fachkongresses, hob hervor, dass die gesellschaftliche Akzeptanz für erneuerbare Energien nach wie vor sehr groß sei, speziell auch im Bereich Biogas. Er präsentierte eine Studie, wonach 47 % der Menschen, die schon einmal neben einer Biogasanlage gewohnt haben, die Stromerzeugung durch Biogas in der Nachbarschaft sehr gut bzw. gut finden. Bei Kohlekraftwerken waren es nur 14 %, bei Atomkraftwerken nur 3 %. Herr Seide betonte: „Das ist ein Topwert für Biogas!“ Trotzdem müsse weiter am Thema Akzeptanz gearbeitet werden. Denn die Stimmung in der Politik ist schlecht: Bei den Koalitionsverhandlungen sei es nur mit großer Anstrengung gelungen, einen gewissen Spielraum für den weiteren Ausbau von Biogasanlagen zu schaffen. Herr Seide fordert die Anlagenbetreiber deshalb auf, in die bedarfsgerechte Biogasbereitstellung einzusteigen, z.B. durch eine flexible Fahrweise von Biogasanlagen. „Man muss auch mal abschalten können“, sagte Herr Seide mit einem Schmunzeln. Ziel müsse die Systemintegration von Biogas in das künftige Energiesystem sein.

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Einen wesentlichen Beitrag zur Versachlichung der politischen und gesellschaftlichen Diskussion um Biogas leistete Herr Dr. Höher vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Schon heute würden 66 % der Energiebereitstellung aus erneuerbaren Energien aus Bioenergie erfolgen. „Das wird in der Öffentlichkeit gar nicht wahrgenommen.“ Er betonte, dass die negativen Aspekte der Energiebereitstellung aus Biogas den öffentlichen Diskurs in letzter Zeit stark dominiert haben. Die vielen positiven Aspekte würden dabei kaum beachtet. So erzeugten Investitionen in Biogasanlagen eine starke regionale und lokale Wertschöpfung in ländlichen Landkreisen. Von Investitionssummen in Höhe von 3,1 Mrd. € in Niedersachsen seien allein 2,2 Mrd. € an Wertschöpfung in Niedersachsen geblieben. Zudem erzeugten Biogasanlagen nicht nur Energie, sondern verbesserten die Nährstoffkreisläufe und reduzierten Treibhausgasemissionen. Eine „Vermaisung der Landschaft“ sei hingegen in nur sechs Landkreisen Niedersachsens ein Problem. „In Lüchow-Dannenberg und Uelzen kann man mit Fug und Recht nicht von einer Vermaisung der Landschaft sprechen.“

Nachholbedarf gibt es bei der Ausgestaltung von Arbeitsplätzen an Biogasanlagen unter Sicherheitsaspekten. „Auch das Thema Sicherheit ist für die Akzeptanz von Biogas von Bedeutung“, unterstrich Frau Arndt, Studienleiterin der Akademie für erneuerbare Energien. Dabei sei es entscheidend, dass der Betreiber seine Sachkunde und die Sachkunde seiner Mitarbeiter nachweisen könne. Hierzu stellte Frau Arndt das Angebot der Akademie vor, das es Anlagenbetreibern und ihren Beschäftigten ermöglicht, die notwendigen Qualifizierungen praxisnah und regional zu erwerben.

Fachforen am Nachmittag

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Am Nachmittag fanden die drei Fachforen „Optimierung und Technik“, „Vermarktung“ und „Energiepflanzenanbau und Ressourcenschutz“ statt. Alle Vorträge stießen auf großes Interesse, im Folgenden werden einige Einblicke gegeben.

Im Fachforum 1 wies Herr Bischoff von der LUFA Nord-West auf die enorme Wirkung von Spurenelementen auf die Leistung von Biogasanlagen hin. Mit kleinsten Mengen, beispielsweise mit nur einem Teelöffel voll, ließen sich bei Anlagen mit einem Mangel an Spurenelementen Leistungssteigerungen von zum Teil 40 % in nur 48 Stunden erzielen. Dabei sei es aber wichtig, vorher den genauen Bedarf zu ermitteln und nur geeignete Präparate zu verwenden. Insgesamt gelte: „So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich.“ Ebenfalls in Fachforum 1 wurde das Thema Gärrestaufbereitung behandelt. Herr Dr. Schöttle von Biogas Plus schilderte ein Verfahren, bei dem Gärrest in eine flüssige und eine feste Phase getrennt wird. Das Besondere: Die im Gärrest enthaltenen Nährstoffe werden als Dünger optimal verfügbar gemacht. Gleichzeitig wird verhindert, dass sie als klimaschädliche Gase in die Umwelt emittieren. Außerdem erhalte sich das System selbst, es produziere Energie und erhalte oder verbessere den Boden. Dies sei von zentraler Bedeutung, denn „ohne Boden haben wir keine Lebensgrundlage.“

Im Fachforum 2 stellte Herr Kralemann vom 3N-Kompetenzzentrum ein Projekt vor, in dem kleine Biogasanlagen im Verbund zusammengeschlossen werden, um gemeinsam eine Biogasaufbereitungsanlage zu betreiben. Dieses Verfahren ermögliche es auch kleinen Anlagen, Biogas zu Biomethan aufzubereiten und dieses zur Nutzung in Haushalten oder als Kraftstoff bereitzustellen. Passend zu diesem Vortrag berichtete Herr Seide, Betreiber von drei Biogastankstellen, über die Möglichkeiten und Hindernisse, Biomethan als Treibstoff zu vermarkten.

Die Frage „Was bringt das Greening für Biodiversität und Landwirtschaft?“ beschäftigte die Teilnehmer im Fachforum 3. Frau Dziewiaty vom Projektbüro Dziewiaty & Bernardy machte deutlich, dass nur bestimmte Flächen, speziell Blühflächen, als ökologische Vorrangflächen geeignet sind. Es sei gut, dass das Thema Greening als Initiative aufgenommen wurde. Jedoch bleibe abzuwarten, wie groß der Nutzen tatsächlich sein werde und wie viele ökologisch wertvolle Flächen hinzukommen würden.

Positive Bilanz

Die Akademie für erneuerbare Energien zieht am Ende der Veranstaltung ein positives Resümee. „Sowohl die Vorträge als auch die Ausstellung wurden sehr gut angenommen“, fasst Studienleiterin Carina Arndt zusammen. Das vielfach ausgesprochene Lob für die gute Organisation gibt sie gerne weiter: „Ganz besonders sind wir unseren vielen regionalen und überregionalen Partnern dankbar, die uns zum Teil schon viele Jahre mit ihrem Know-how, ganz viel Engagement und häufig ehrenamtlich unterstützen. Nur durch sie ist es möglich, den Kongress in seiner thematischen Vielfalt und zu den günstigen Konditionen anzubieten.“

Fotos: Rainer Erhard
Für Kongressteilnehmer stehen die Vorträge der Referenten hier zum Download bereit.

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