Bessere Vorstellung, bessere Akzeptanz

Windpark

Forschungsprojekt zeigt neue Visualisierungsformen für Erneuerbare-Energie-Anlagen

Offshore-Windparks leisten einen wichtigen Beitrag für die klimafreundliche Energieversorgung. In Küstenregionen, in deren Nähe sie angesiedelt sind, stoßen sie bei Anwohnern und Touristen jedoch auf gemischte Gefühle. Da es jedoch wichtig ist, dass Erneuerbare-Energie-Anlagen auch von den Bürgern akzeptiert werden, haben Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Technischen Universität München und der ETH Zürich Präsentationsformen erarbeitet, mit denen sie geplante Windparks besser visualisieren – und ihre Akzeptanz dadurch steigern.

Genau zur rechten Zeit. Denn: Entlang der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern sind weitere Offshore-Windparks in Küstennähe geplant. Pläne, die bei Anwohnern und Touristen auf unterschiedliche Reaktionen stoßen. „Prinzipiell werden Offshore-Windräder sowohl von den Anwohnern als auch von Touristen mehrheitlich akzeptiert. Allerdings gibt es die Sorge, dass die Windparks das Landschaftsbild stören“, erläutert Prof. Dr. Gundula Hübner, Sozial- und Umweltpsychologin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zusammen mit Dr. Johannes Pohl forscht sie an der MLU seit vielen Jahren zur Akzeptanz von Windenergieanlagen. In früheren Studien hatten sie bereits gezeigt, dass sich die Akzeptanz der Projekte steigern lässt, wenn die Bevölkerung frühzeitig über geplante Bauvorhaben informiert und in die Planung einbezogen wird.

Innovative Visualisierungsformen

Im aktuellen Projekt geht es nun darum, wie die Bevölkerung stärker in die Planung einbezogen werden kann, welche Präsentationsformen der Bauvorhaben besonders dafür geeignet sind und wie eine breitgefächerte Akzeptanzanalyse möglich ist. Das Ergebnis: ein innovativer Visualisierungsdom. Das ist ein Kuppelzelt mit einer Art 180-Grad-Kino, in das die Besucher gehen und verschiedene Varianten der Windparks interaktiv und realitätsnah erfahren können.

„Der Visualisierungsdom ermöglicht ein Landschaftspanorama, bei dem die Meeresblicke zu verschiedenen Tageszeiten, aus unterschiedlichen Sichtweiten und unter verschiedenen Wetterbedingungen simuliert werden können“, erklärt Hübner. Ein besonderes Erlebnis ist der virtuelle Ballonflug, bei denen die Besucher über die Windparks fliegen können. Zusätzlich erhielten sie Informationen zu verschiedenen Aspekten der Bauvorhaben, wie Planungsregeln, Energieeffizienz und Naturschutzvorgaben.

Landschaftseinbindung stärkt Akzeptanz

Eine Studie begleitete das Projekt wissenschaftlich. Sie zeigte, dass die Windparks positiver bewertet wurden, je besser sie mit der Landschaft verbunden waren. Speziell die Entwürfe, bei denen die Windränder von bestimmten Aussichtspunkten aus gesehen stets hintereinander erscheinen, wurden von den Befragten wohlwollend bewertet.

Für den Erfolg derartiger Bauprojekte sei es nötig, die Bevölkerung vor Ort frühzeitig mit Informationen und auch lebensnahem Anschauungsmaterial zu versorgen, betont Hübner: „Denn sobald Einstellungen entstehen, lassen sich diese später kaum verändern. Daran ändert auch der Besuch des Visualisierungsdoms nicht mehr signifikant etwas. Stattdessen werden dadurch viel eher die Vormeinungen bestärkt.“

Foto: Marcello Marini / ETH Zürich

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