Bestehende Biogasanlagen flexibilisieren

Foto Christof Thoss

Die Biogas-Branche steht vor einer Reihe von Herausforderungen. Ideen und Praxisbeispiele, wie diese zu meistern sind, gibt der 10. Biogas-Fachkongress, der am 26. November in Hitzacker stattfindet. Referent Christof Thoss erklärt im Interview, wie bestehende Biogasanlagen durch Flexibilisierung wirtschaftlicher laufen können.

Herr Thoss, durch die Novelle des EEG 2014 sind viele Biogasanlagenbetreiber verunsichert. Lohnt es sich denn noch, eine Biogasanlage weiter zu betreiben?

Dazu gebe ich ein klares „Ja“. Das EEG 2014 ist zwar verantwortlich für den mangelnden Bau von Neuanlagen, aber abgesehen von der Höchstbemessungsleistung hatte es ja keinen gravierenden Einfluss auf bestehende Anlagen. Natürlich werden zukünftig auch andere Rechtsverordnungen wie zum Beispiel die Düngeverordnung oder die Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (AwSV) den Anlagenbetrieb beeinflussen. Doch auch diese Herausforderungen werden gut aufgestellte Betriebe meistern können.

Wichtig ist jetzt vor allem, dass die Politik wieder mitbekommt, wie wichtig die Biogasbranche in Hinblick auf den Wandel von der fossilen hin zu einer ökologischen Energieversorgung ist. Dieser Stellenwert wurde in der letztjährigen Diskussion um die Novelle des EEG leider viel zu gering geschätzt. Stattdessen bemühte man sich die Nachteile der Bioenergieerzeugung so stark zu betonen, dass die überwiegenden Vorteile gar nicht mehr ins Bewusstsein drangen.

In Ihrem Vortrag auf dem Biogas-Fachkongress werden Sie über die Flexibilisierung bestehender Biogasanlagen referieren. Wie genau kann eine solche Flexibilisierung aussehen und welche Rolle spielt sie für die Wirtschaftlichkeit einer Anlage?

In der Praxis hat sich die doppelte Überbauung als Flexibilisierungsmaßnahme etabliert. Dies ergibt sich aufgrund der Berechnungsformel der Anlage 3 des EEG 2014. Welche Umbauten bzw. Ergänzungen sinnvoll sind, richtet sich nach der jeweiligen Anlage. Beispielhaft möchte ich hier die Trafoerweiterung, den Gasspeicher oder die Genehmigungsanpassung nennen.

Eine solche Flexibilisierung kann im Einzelfall betrachtet die Wirtschaftlichkeit verbessern – aber das lässt sich nicht verallgemeinern. Dennoch empfehle ich Anlagenbetreibern, Kosten und mögliche Erlöse genau gegenüberzustellen und mithilfe gesicherter Angebote eine Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Sind für die Umsetzung dieser Maßnahmen Weiterbildungen oder andere finanzielle Investitionen nötig?

Eine zusätzliche Qualifikation ist normalerweise nicht notwendig. In Einzelfällen kann eine Anlage in den Bereich der Störfallverordnung fallen oder nach Baurecht ins Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG). Auch das bewirkt jedoch keinen weiteren Schulungsbedarf.

Die notwendigen Investitionen sind individuell verschieden. Die wichtigsten Punkte, bei denen nachgerüstet wird, liegen in den Bereichen Netzzugang, Genehmigung und Gasspeicher. Natürlich dürfen Betreiber auch das neue Blockkraftheizwerk nicht vergessen.

Welche Einsparungen bzw. Gewinnzuwächse lassen sich durch Maßnahmen wie diese erzielen?

Die Vorteile sind vielfältig. Die Flexibilisierung ist eine wichtige Weichenstellung, die den Betriebszweig zukunftsfähig macht. Eine Gasspeichererweiterung kann beispielsweise auch zu einer Erweiterung des Gärrestspeichers führen. So lässt sich organischer Dünger bedarfsgerechter bereitstellen. Unter idealen Voraussetzungen ist es tatsächlich möglich, die Wirtschaftlichkeit der Biogasanlage zu verbessern. Aber das lässt sich sicherlich nicht verallgemeinern.

Vielen Dank für das Interview!

Weitere Informationen und Denkanstöße zum Thema gibt es auf dem Biogas-Fachkongress am 26. November in Hitzacker.

Hier können Sie sich für den Kongress anmelden.

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