Biogas-Forschungsanlage im Wendland

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Bildungsanbieter der Kompetenzregion Wendland sondieren Möglichkeiten zum Einsatz einer Biogas-Forschungsanlage für die Ausbildung von Fachkräften.

Ein grasgrüner Überseecontainer war kürzlich Ort eines ungewöhnlichen Treffens auf einer Biogasanlage im Raum Wolfsburg. VertreterInnen der Berufsbildenden Schulen Lüchow und der Akademie für Erneuerbare Energien sowie der Forscher Dr. Schöttle und weitere Netzwerkpartner aus der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal trafen sich am 10. Oktober 2013 in Velpke mit den Entwicklern einer mobilen Biogas-Versuchsanlage. Erklärtes Ziel der Akteure ist die gemeinsame Nutzung des innovativen Labors für die wissenschaftliche Forschung und die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte im Biogasbereich.

Wer sich beim Namen VESBA für diese Versuchsanlage an die relativ übersichtliche Technik seiner jugendlichen Mobilitätsanfänge erinnert fühlt, liegt jedoch komplett falsch. Hinter dem Kürzel VESBA verbirgt sich modernste Messtechnik zur verfahrenstechnischen Optimierung von Biogasanlagen. Eine Vielzahl neu entwickelter Sensoren ermöglicht erstmals, bisher verborgene Abbauprozesse nachwachsender Rohstoffe im verkleinerten Maßstab live zu beobachten. Die gewonnen Messdaten ermöglichen dem Wissenschaftlerteam um Dr. Zosel vom Kurt-Schwabe-Institut in Meinsberg ein besseres Verständnis der noch weitgehend unbekannten mikrobiologischen Prozesse und eine Optimierung und Effizienzsteigerung der bekannten Anlagentechnik. Zukünftig sollen Bakterien in möglichst idealen Umgebungen aus weniger Rohstoffen mehr klimaschonenden Strom und Wärme erzeugen.

Im vergangenen Jahr hatte das Wissenschaftlerteam gezielt Kontakt nach Lüchow aufgenommen, da sie auf den bundesweit ersten Ausbildungsberuf für die Bioenergiebranche, den „Technischen Assistenten für die Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe“ (TA NaWaRo) an der BBS Lüchow, aufmerksam wurden. Das Samtgemeindeprojekt EnerGO/KommBi Wendland konnte sie davon überzeugen, dass das Wendland mit seiner ausgeprägten Biogasinfrastruktur und vielen kreativen Köpfen der ideale Standort für die geplante Verknüpfung von Forschung und Ausbildung darstellt.

Im Anschluss an das Treffen stand der Entschluss für ein gemeinsames Projekt fest. Die VESBA bietet eine ideale Plattform für Forschungs- und Ausbildungszwecke. Sie ermöglicht Versuchsreihen unter unterschiedlichen Bedingungen und mit verschiedenen Rohstoffen. Mit ihr lässt sich ein tieferes Verständnis der sensiblen Prozesse vermitteln und sie bietet Biogasproduzenten aus der Region die Möglichkeit, alternative Rohstoffe für ihre Anlagen zu testen. Eine optimale Konstellation, um die Kompetenzen aus Forschung und Betriebspraxis für die Ausbildung zukünftiger Biogas-Fachkräfte zu nutzen. In den kommenden Wochen werden potentielle Anlagenbetreiber für die befristete Aufstellung der VESBA gewonnen und der Antrag für die Projektmittel formuliert.

Text: Stefan Gadegast, Dorothea Angel

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