Chancen ableiten aus der Energiekrise

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Interview mit Dr. Niclas Krakat, Dozent im Master Erneuerbare Energien (M.Sc.)

Herr Dr. Krakat, Sie sind Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim. Seit dem Sommersemester 2014 unterrichten Sie zudem das Fach „Biogas“ im berufsbegleitenden Masterstudium Erneuerbare Energien der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), das in Kooperation mit der Akademie für erneuerbare Energien in Lüchow (Wendland) durchgeführt wird. Wie kam es dazu?

Ich selbst habe an der HAW Biotechnologie studiert und dort während meiner Promotion experimentelle Versuche im Bereich Biogastechnik durchgeführt. Dabei hat mich Prof. Dr. Scherer als externer Betreuer begleitet. Prof. Scherer war es auch, der den Kontakt zum Masterstudiengang Erneuerbare Energien herstellte. Er ist Mitglied des Studienreformausschusses, der den Masterstudiengang 2009 ins Leben gerufen hat, und informierte mich, als eine Dozentenstelle im Fach Biogas frei wurde. Da ich schon immer gerne als Dozent lehren wollte, ganz besonders auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien, habe ich mich bei der Akademie für erneuerbare Energien vorgestellt.

Welche Themenschwerpunkte vermitteln Sie den Studierenden in Ihrem Kurs?

In meinen Veranstaltungen geht es um die Grundlagen der Biogaserzeugung und -nutzung. Die Studierenden lernen, einen Reaktor richtig zu betreiben, Störungen zu vermeiden und im Falle eines Falles auch zu beheben. Außerdem schauen wir uns die Themen Substratbewertung, Verwertung von Gärresten und Gasaufreinigung an.

Der Masterstudiengang Erneuerbare Energien ist thematisch sehr breit aufgestellt. Neben Biogas stehen auch die Fächer Windenergie und Photovoltaik sowie thermische Systeme und energieeffiziente Gebäude auf dem Programm. Ist dieses Modell Ihrer Ansicht nach zukunftsfähig?

Ich stufe das Model als zukunftsträchtig ein, da fast das gesamte Spektrum der erneuerbaren Energien interdisziplinär abgedeckt wird. Eine spezialisierte Fokussierung bestimmter Bereiche wird den Studierenden im Rahmen des Masterprojekts und der Masterarbeit ermöglicht.

Wie beurteilen Sie den interdisziplinären Ansatz des Studiengangs, also das gemeinsame Studieren von Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern?

Interdisziplinäre Ansätze bei Lehre und Forschung finde ich wichtig und gut. Von dem breiten Spektrum an fachspezifischem Vorwissen, das hierdurch entsteht, können alle Teilnehmer der Lehrveranstaltungen profitieren. Und auch in der Praxis ist es von Vorteil, wenn man umfassend beurteilen und nicht nur auf spezifisches Fachwissen zurückgreifen kann. Wie wichtig das sein kann, zeigen ja auch die aktuellen politischen Entwicklungen.

Da geben Sie ein guten Stichwort: Die Biogasbranche steckt derzeit in einer schweren Krise. Wie schätzen Sie die Zukunft der Biogasnutzung ein?

Die geplante Novellierung des EEG 2012 beinhaltet meiner Ansicht nach viele übereilte Regelungen, deren Auswirkungen auf die Biogasbranche sich aktuell schwer abschätzen lassen. Sicher ist, dass der Bau neuer Biogasanlagen bundesweit stark abnehmen wird – eine Rezession der Biogasbranche scheint leider unausweichlich. Um das wegfallende Inlandsgeschäft aufzufangen, wird sich die Biogasbranche verstärkt auf internationale Projekte und den Servicemarkt zubewegen. Trotz heftiger und gerechtfertigter Kritik lassen sich aber auch Chancen des EEGs 2014 ableiten. So wurde z.B. erkannt, dass Bioenergie stärker als Regelenergie genutzt werden muss, um schwankende Strommengen auszugleichen. Dies wurde durch die Einführung der Flexibilitätsprämie für die Errichtung von Speicherkapazitäten berücksichtigt.

Was bedeutet die EEG-Novelle für die ca. 7900 bestehenden Biogasanlagen?

Für bestehende Biogasanlagen bzw. für Anlagen, die bis August 2014 in Betrieb genommen werden, wird nach wie vor das bislang gültige EEG 2012 anwendbar sein, wenn auch mit wenigen Einschränkungen. Die Auswirkungen der Novellierung sind für diese Anlagen daher eher gering. Trotzdem müssen auch hier zukünftig Repowering-Maßnahmen und Effizienzsteigerungen stärker fokussiert werden. Denn die meisten Bestandsanlagen werden mehr oder weniger erfahrungsgemäß bedient, arbeiten unwirtschaftlich und liefern daher weniger Strom als geplant.


Dr. Niclas Krakat ist Dozent im berufsbegleitenden Masterstudiengang Erneuerbare Energien im Fach „Biogas“. Krakat studierte Biotechnologie an der HAW Hamburg. Nach mehrjähriger Berufserfahrung u.a. im Bereich Bioverfahrenstechnik / Mikrobiologie sowie dem BMBF-Verbundprojekt „Biogas Crops Network“ promovierte Krakat im Rahmen der Landesexzellenzinitiative an der Universität Hamburg (Fak. für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, Fachbereich Chemie) auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien. Seit April 2012 leitet er die Nachwuchsgruppe „Stickstoffeliminierung“ am Leibniz Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. und ist dort vor allem zuständig für die Bereiche „Bioverfahrenstechnik“ und „Prozessmikrobiologie“.

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