Die Energieversorgung aus erneuerbaren Energien ist machbar!

Akademie erneuerbare Energien Master Lüchow-Dannenberg

Interview mit Dr. Thomas Flower, Dozent im Master Erneuerbare Energien (M.Sc.)

Herr Dr. Flower, Sie sind Dekan an der Fakultät Technik und Informatik der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Seit dem Wintersemester 2014/2015 unterrichten Sie zudem das Fach „Windenergieanlagen“ im berufsbegleitenden Masterstudium Erneuerbare Energien der HAW, der in Kooperation mit der Akademie für erneuerbare Energien in Lüchow (Wendland) durchgeführt wird. Wie kam es dazu?

Ich bin seit dem 1.10.2010 als Dekan der Fakultät Technik und Informatik an der HAW tätig. Parallel zu meinen Dekanatspflichten habe ich stets auch unterrichtet und zwar durchgängig das eher theoretische Fach Thermodynamik. Als der bisherige Dozent für Windenergieanlagen, Prof. Koeppen, einen Nachfolger für den Studiengang in Lüchow suchte, war ich gerne bereit, die Veranstaltung als mehr praxisbezogenes Fach zu übernehmen.

Welche Themenschwerpunkte vermitteln Sie den Studierenden in Ihrem Kurs?

Es geht mir vorwiegend darum, das Grundverhalten von Windenergieanlagen zu vermitteln. Vor allem soll man durch den Kurs befähigt werden, auf Augenhöhe mit Ingenieuren der Windbranche zu diskutieren, um entsprechende Projektentscheidungen fällen zu können. Es geht also um das Windpotential der Standorte, die Funktionsweise von Anlagen und deren Belastungen.

Der Masterstudiengang Erneuerbare Energien ist thematisch sehr breit aufgestellt. Neben Windenergie stehen auch die Fächer Biogas und Photovoltaik sowie thermische Systeme und energieeffiziente Gebäude auf dem Programm. Was sind Ihrer Ansicht nach die Vorteile dieses Modells?

Die Energieversorgung Deutschlands und Europas befindet sich derzeit in einer sehr starken Umbruchsphase. Es gibt verschiedene Modelle, um eine sichere, wirtschaftliche und umweltverträglichen Stromerzeugung bereitzustellen. Die Politiker, Wirtschaftsverbände und auch Wissenschaftler streiten sich darum, wie diese Ziele am besten erfüllt werden können. Aber alle gehen von einem Energiemix bestehend aus verschiedenen erneuerbaren Energien aus. Keiner kann heute mit Gewissheit sagen, welche Technologie letztendlich dominieren wird. So gesehen ist es für eine Karriere in der Energiebranche sehr wertvoll, technologisch möglichst breit aufgestellt zu sein.

Wie beurteilen Sie den interdisziplinären Ansatz des Studiengangs, also das gemeinsame Studieren von Ingenieuren und Wirtschaftswissenschaftlern?

Während meiner Berufslaufbahn in der Wirtschaft (15 Jahre Siemens und drei Jahre Suzlon) habe ich die überwiegende Zeit Hand in Hand mit Betriebswirten gearbeitet. Dabei habe ich gemerkt: Am besten lassen sich komplexe betriebliche Probleme lösen, wenn ein fundiertes Wissen aus beiden Fachgebieten, dem Ingenieurwesen und der Betriebswirtschaft, vorliegt.

Die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes führt derzeit zu einer starken Verunsicherung der EE-Branche. Wie schätzen Sie die Zukunft der Energiewende in Deutschland ein?

Für mich stellt die globale, anthropogenbedingte Erwärmung der Erdatmosphäre eine wesentliche Gefährdung für die Zukunftsfähigkeit der Menschheit auf diesem blauen Planet dar. Für dieses Problem gibt es nur drei Lösungen: massive Reduzierung des Energieverbrauchs, Kernenergie und ein starker Ausbau der erneuerbaren Energien. Für mich persönlich ist die Kernenergie aufgrund ihres unmittelbaren Gefährdungspotentials, aber vor allem wegen des ungelösten Abfallproblems keine Option – und das nicht erst seit dem Unfall in Fukushima. Sie ist weder eine akzeptable kurzfristige Lösung im Sinne einer Brückentechnologie, noch eine nachhaltige langfristige Lösung der Energieprobleme. Ich bin überzeugt, dass auch ein hoher Lebensstandard basierend auf einer Energieversorgung aus erneuerbaren Energien machbar ist und die optimale Lösung für Deutschland und die Menschheit darstellt. Mittelfristig wird sich diese Technologie durchsetzen, kurzfristig kann die Politik diese Transformation entweder beschleunigen oder abbremsen.


Dr. Ing. Thomas Flower ist Dozent im berufsbegleitenden Masterstudiengang Erneuerbare Energien im Fach „Windenergieanlagen“. Flower studierte und promovierte im Fachgebiet Maschinenbau an der RWTH Aachen. Nach fast 20-jähriger erfolgreicher Tätigkeit in der freien Wirtschaft wurde er am 01.10.2010 zum Dekan der Fakultät Technik und Informatik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg berufen.

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