„Eine Akademie im Wendland?“

Akademie Erneuerbare Energien Lüchow Dannenberg

Carina Arndt im Interview mit Karl-Friedrich Kassel für den 7. Bioenergie-Report der Elbe-Jeetzel-Zeitung.

BE: Die Akademie steht vor einem neuen „Lehrjahr“. Sie, Frau Arndt, sind die neue Studienleiterin. Zwei Neuanfänge. Andererseits hat die Akademie ihr erstes halbes Jahrzehnt im Wendland hinter sich. Wie sehen Sie den Stellenwert dieser Einrichtung im Geflecht von Wirtschaft, Politik und der Zielsetzung einer Region für erneuerbare Energien?

Arndt: Da gibt es ganz unterschiedliche Aspekte. Zunächst haben wir die Aufgabe, auf das in der Region angesammelte Wissen aufzubauen und es nach außen zu tragen. Schließlich ist Lüchow-Dannenberg mit seinem Beschluss von 1997, sich zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien versorgen zu wollen, ein Vorreiter der Entwicklung gewesen. Das Ziel ist übrigens schon heute erreicht. Die Region produziert mehr Strom aus erneuerbaren Quellen als sie an Elektrizität verbraucht. Die Energiewende ist hier längst umgesetzt.

BE: Können Sie mit dieser Geschichte punkten?

Arndt: Es ist tatsächlich so: Wenn man für Seminare und den Masterstudiengang an der Akademie in Lüchow wirbt, bekommt man als erstes überraschte Reaktionen. Eine Akademie im Wendland? Hamburg oder Berlin liegt im Bewusstsein viel näher. Aber wenn ich dann die Geschichte erzähle, die Vorreiterrolle von Lüchow-Dannenberg bei den Erneuerbaren Energien, die Herkunft dieser Überlegungen aus dem Konflikt um Gorleben und auf die vielen Praktiker mit ihren Erfahrungen hinweise, dann erscheint die Akademie an diesem Ort den Interessenten ganz folgerichtig.

BE: Der Ausbau der Erneuerbaren ist zurzeit Gegenstand des politischen Streits. Hat das eine Bedeutung für die Akademie?

Arndt: Insoweit, als dass die Fortbildung für den richtigen und wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen und für die Vermarktung der erzeugten Energie eher noch wichtiger wird. Unsere Hauptaufgabe ist es, die Betreiber in der Region auszurüsten, damit sie den Anforderungen besser gewachsen sind.

BE: Ist das nicht ein sehr überschaubares Klientel? In welche Richtung soll der Stellenwert der Akademie noch zunehmen?

Arndt: Man muss unterscheiden zwischen dem Masterstudiengang der Akademie und dem Seminarprogramm. Das Masterstudium richtet sich vornehmlich an Interessenten von außerhalb, die von den Erfahrungen in dieser Region profitieren wollen und können. Das Seminarprogramm ist jedoch allgemeiner. Es werden nicht nur Leute von außerhalb, sondern auch innerhalb der Region angesprochen. Und zwar nicht nur Leute aus der Branche der Erneuerbaren. Wir sehen uns als der regionale Anbieter für Qualifizierung und Fortbildung für kleine und mittlere Unternehmen, für Landwirte mit Angestellten und Lohnunternehmer.

BE: Die Akademie setzt also nicht mehr nur auf die Erneuerbaren?

Arndt: Das bleibt auch weiterhin der Schwerpunkt. Aber wir haben gemerkt, dass es ganz allgemein in der regionalen Wirtschaft einen Bedarf gibt nach Fortbildung, etwa in Fragen der kundenorientierten Unternehmensführung, bei Finanzierungsfragen und anderem. Da gibt es Besonderheiten, die von anderen Anbietern nicht abgedeckt werden. Zum Beispiel Bankenseminare für die Branche der Erneuerbaren Energien. Die gibt es woanders nicht. Das wird auch außerhalb Lüchow-Dannenbergs wahrgenommen. Der Einzugsbereich für unsere Seminare liegt im Umkreis von 300 Kilometern.

BE: Was bedeutet das für das Seminarprogramm des nächsten Jahres?

Arndt: Da gibt es sechs Seminar-Module, die sich nicht nur fachspezifisch mit Problemen aus der Branche der Erneuerbaren beschäftigen, sondern mit Fragen, die es bei allen Unternehmen gibt. Zum Beispiel die Sache, dass man als Führungskraft plötzlich Leute anleiten, führen muss. Oder dass der Zeitdruck zunimmt und man ganz anders mit seinem eigenen Tagesablauf umgehen muss. Marketing- und Verkaufstraining, Teamwork und Strategieplanung – das sind alles Themen, die sowohl für Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien als auch in anderen Branchen wichtig sind.

BE: Der Landkreis drängt seit Jahrzehnten darauf, hier eine gewichtige Bildungs- oder Forschungseinrichtung anzusiedeln. Im Zusammenhang mit Gorleben wurden Bundes- und Landesregierungen immer wieder zu Unterstützung solcher Pläne gedrängt. Fühlen sie sich eigentlich gut unterstützt?

Arndt: Als Wunsch würde ich sagen: Es wäre gut, wenn alle uns Wohlgesonnenen, ob im Landkreis, bei den Kommunen oder in den Unternehmen, die Akademie nicht nur im Herzen tragen, sondern auch im Munde führen würden. Sie alle können Multiplikatoren für die Akademie sein, sowohl für die Seminare als auch für den Masterstudiengang. Unterstützung kann es nie genug geben.

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