Eine Zukunft für die Biogas-Branche

Seide

Interview mit Horst Seide, Präsident des Fachverbands Biogas e.V.

Das EEG 2014 ist am 1. August in Kraft getreten, der große Kampf ist somit erst einmal vorbei. Wie geht es der Branche jetzt?

Sehr gespalten. Für die Betreiber von Bestandsanlagen ist es glimpflich abgegangen. Wir konnten erreichen, dass mit der Flexprämie auch in Zukunft 1.350 Megawatt pro Jahr nach dem alten Fördersystem zugebaut werden können. Somit gab es kaum schmerzliche Eingriffe und es besteht keine existenzielle Bedrohung für die Bestandsanlagen. Der Bestand kann sich weiter im Bereich der Stromerzeugung und in der Systemdienstleistung betätigen. Das ist ein Erfolg.

Anders sieht es bei den neuen Anlagen aus. Hier gibt es schon erste Insolvenzen bei Herstellern, selbst manche alteingesessenen Firmen sind inzwischen insolvent. Besonders hart trifft es die Unternehmen, die nur neue Anlagen bauen und nicht rechtzeitig umgestellt haben. Wer Pumpen und Fütterungsanlagen baut, hat keine großen Probleme. Die Bestandsanlagen bestehen ja auch weiterhin.

Werden neue Biogasanlagen denn gar nicht mehr gefördert?

Es gibt noch Förderung, aber damit kann eine Maisanlage nicht mehr wirtschaftlich gefahren werden. Das einzige, was sich noch lohnt, sind Abfallanlagen. Das sind aber keine bäuerlichen Anlagen, nur die Abfallindustrie baut diese Anlagen und profitiert davon. Was noch wirtschaftlich gebaut werden kann, sind kleine Gülleanlagen. Hiervon kommen jährlich noch etwa 70 bis 100 Stück hinzu. Diese Anlagen sind allerdings so klein, dass sie keine energiewirtschaftliche, sondern nur eine klimarelevante Wirkung haben.

Deutlich werden die Auswirkungen des neuen EEG, wenn man die Zahlen vergleicht: 2011 haben wir 1.300 Biogasanlagen mit insgesamt 600 Megawatt Leistung zugebaut. Jetzt schrumpfen wir auf 1 Prozent davon: 2015 werden laut Prognose nur noch 6 Megawatt Leistung zugebaut werden.

Womit hat die Branche am meisten zu kämpfen?

Mit dem Image. Wir sind letztendlich am Image gescheitert. Und am Geld. Aber das war nur vorgeschoben. De facto sind wir am schlechten Image des Maisanbaus gescheitert. Dabei liegt der Energiemaisanteil in Deutschland bei nur 7 Prozent. Und nur ein Drittel aller Maisflächen wird zur Energieerzeugung genutzt.

Wo gibt es Lichtblicke?

Lichtblicke gibt es für den Bestand. Hier konnten wir den Zubau von Flexibilität erreichen. Bestehende Anlagen gehen jetzt in die Flexibilisierung und in die Systemstabilität. Das machen jetzt schon so viele, dass die Preise für die Regelenergie inzwischen wieder gesunken sind. Auch der Zubau im Bereich KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) ist ein Lichtblick. Biogas ist der einzige Bereich, in dem KWK momentan noch zugebaut wird. Und Biogasanlagen sind fast die einzigen, die noch Netze bauen.

Was sind die nächsten Schritte?

Biogas wird auch im nächsten EEG wahrscheinlich keine Rolle spielen. Da mache ich mir keine Hoffnungen. Die nächsten Schritte des Fachverbandes konzentrieren sich deshalb auf andere Gesetze, die Bestandsanlagen ebenfalls berühren. Aktuelle Themen, an denen der Fachverband dran ist, sind das KWK-Gesetz, das Strommarktdesign und die 12. BImSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung), deren Überarbeitung sich aktuell in der Schlussphase befindet. Hier haben wir bereits einiges erreicht.

Welche Ziele verfolgt der Fachverband Biogas e.V. als nächstes?

Unser wichtigstes Ziel ist es, neue Geschäftsfelder für Biogas auszubauen. Das Geschäftsfeld Strom ist mit dem EEG 2014 eingebrochen. Neue Geschäftsfelder sind zum einen die Wärmenutzung, also der Ausbau von Wärmenetzen. Das kann wirtschaftlich sein. Ein anderes Geschäftsfeld, das in Lüchow-Dannenberg schon weit verbreitet ist, ist die Mobilität, also Biogas in den Verkehr zu bringen. Hier stimmen die Rahmenbedingungen momentan noch nicht, wir arbeiten aber daran.

Im Geschäftsfeld Strom werden Bestandsanlagen in Zukunft nur noch Kapazität bereitstellen, sprich Leistung. Keine neue Biogasanlage wird mehr voll durchlaufen. Wir werden das machen, was die anderen erneuerbaren Energien nicht können.

Der Biogas-Fachkongress findet am 27. November bereits zum 9. Mal in Hitzacker statt. Sie selbst waren von Anfang an mit dabei. Was bedeutet der Kongress für Sie?

Es gibt sehr viele Kongresse in Deutschland und der Biogas-Fachkongress in Hitzacker ist einer der größeren regionalen Kongresse. Seine Stärke ist es, dass er von Anfang an kommunale Vertreter und die Biosphäre mit eingebunden hat. Dadurch hat er sich ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet, das ihm bis heute hohe Besucherzahlen sichert.

Sie werden auch in diesem Jahr wieder zwei Mal als Referent beim Biogas-Fachkongress zu hören sein. Einmal zum Thema „Das neue EEG – Quo vadis Biogas?“ und dann in einem neuen Format im Schlagabtausch mit Herrn Dr. Felix Matthes vom Öko-Institut zum Thema „Die Zukunft der Bioenergie: Pro und Contra“. Was können die Teilnehmer vom diesjährigen Kongress erwarten?

Gravierende Aussagen, die es in sich haben! Man muss bei manchen Sachen ziemlich deutlich werden, um zu sagen, wo wir stehen. In meinem Vortrag zum EEG werde ich sehr deutliche Worte finden, aber auch in der Diskussion mit Herrn Dr. Felix Matthes wird es für die Teilnehmer sicherlich spannend werden. Auf dieses neue Format bin ich sehr gespannt!

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