Was kommt nach dem EEG?

7. Biogas-Fachkongress in Hitzacker, Vortrag Hr. Findeisen

Über 170 Experten beim 7. Biogas-Fachkongress im Verdo in Hitzacker

Die Zukunft von Biogas – das war das Thema des 7. Biogas-Fachkongress, den die Akademie für erneuerbare Energien Lüchow-Dannenberg GmbH am Donnerstag, den 29. November 2012 in Hitzacker veranstaltete. Neben Informationen zu aktuellen Trends und Entwicklungen bot der Fachkongress den über 170 Fachexperten aus der Biogas-Branche die Möglichkeit, sich auszutauschen und zu vernetzen. Alles unter dem Motto: „Was kommt nach dem EEG?“

Frau Grud, Vorstandsvorsitzende von Region Aktiv Wendland/Elbetal e.V. und Geschäftsführerin der Akademie eröffnete den Kongress mit dem Hinweis auf die Aktualität und Dynamik der Branche. Auch Jürgen Weinhold vom Landkreis Lüchow-Dannenberg appelierte in seinem Grußwort zum Anpacken und Weitermachen, trotz einiger Berg- und Talfahrten durch die Novellierungen des EEG. Daran ändere auch das verflixte siebte Jahr des Kongresses nichts.

Fachforen boten verschiedene Themen-Schwerpunkte an

Fachforum Naturschutz Biogas-Fachkongress 2012

Vortrag im Fachforum Naturschutz beim Biogas-Fachkongress 2012

Das Besondere am Fachkongress ist, dass unterschiedlichste Akteure und Teilnehmer aus der Biogas-Branche zugegen sind. Unter den Teilnehmern befanden sich beispielsweise (Umwelt-) Gutachter Anlagenbetreiber, Berater aus der erneuerbaren Energien Branche, Investoren, Juristen, Naturschützer und viele mehr. Um den unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden, fanden am Nachmittag parallel drei Fachforen zu den Themen „Optimierung und Technik“, „Vermarktung“ und „Energiepflanzenanbau und Naturschutz“ statt.

Das Fachforum zur „Vermarktung“ fand in diesem Jahr reges Interesse, die Referenten informierten unter anderem über „Direktvermarktung und Flexibilisierung von Biogasanlagen nach dem EEG 2012“, „Erfahrungsbericht über den Einstieg in die Regelenergie“ und „Mobilität: Voraussetzung zur Teilnahme am Treibstoffmarkt“.

Vortrag von Horst Seide “Zukunft EEG – Vom Erfolgsmodell zum Auslaufmodell?”

Und auch die Vorträge erstreckten sich über ein breit gefächertes Themenfeld. Doch vor allem ein Vortrag lockte die Besucher: Wie es mit dem EEG weiter gehen soll, damit beschäftigte sich Präsidiumsmitglied des Fachverbands Biogas e.V. Horst Seide in seinem Vortrag: „Zukunft EEG – Vom Erfolgsmodell zum Auslaufmodell?“. Neben der EEG-Umlage beschäftigte er sich vorwiegend mit der Merit Order und dem Lastmanagement.

Die EEG-Umlage, die Stromkunden als Aufschlag auf jede verbrauchte Kilowattstunde bezahlen müssen, erhöht sich zum 1. Januar 2013 um 45,5 Prozent. Das bedeutet, dass der Endverbraucher 5,277 ct/kWh zahlen soll anstatt 3,592 ct/kWh. Die reine Förderung der erneuerbaren Energien macht dabei einen Anteil von etwa 12 Prozent vom Zuwachs der EEG-Umlage aus. Seide benannte in seinem Vortrag fünf weitere Faktoren die Höhe der EEG-Umlage beeinflussen, die nur zum Teil oder indirekt mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien zu tun haben:

  1. die Industrieförderung (etwa 21 Prozent Anteil am Zuwachs der EEG-Umlage), die stromintensive Unternehmen bei ihren Stromkosten entlastet,
  2. der Rückgang der Börsenstrompreise (Merit-Order-Effekt) (etwa 10 Prozent Anteil am Zuwachs der EEG-Umlage),
  3. die Nachholung für 2012, (etwa 42 Prozent Anteil am Zuwachs der EEG-Umlage), die Prognose-Fehler bei der Berechnung der EEG-Umlage für 2012 (Einmaleffekt) ausgleicht,
  4. die Marktprämie (etwa 7 Prozent Anteil am Zuwachs der EEG-Umlage), die Anlagenbetreiber motivieren soll, vom bisherigen EEG-Vergütungsmodell zur Direktvermarktung ihres Stroms an der Strombörse zu wechseln und
  5. eine höhere Liquiditätsreserve (etwa 8 Prozent Anteil am Zuwachs der EEG-Umlage), die einen Puffer für das EEG-Konto aufbauen soll.

Nachdem er die Kostentreiber der EEG-Umlage vorgestellt hatte, ging Seide tiefer auf den Merit-Order-Effekt (siehe Kasten) ein.

Seide machte in seinem Vortrag deutlich, dass es im EEG unstimmige Punkte gibt, die dringend überarbeitet werden müssen. Zudem betont er, dass Biogas-Anlagen im Bereich Lastmanagement und Speichermöglichkeiten weiterentwickelt werden müssen, um die Schwankungen der Stromerzeugung von Sonne und Wind auszugleichen. Ziel müsse es sein, den erzeugten Strom rentabel nachfrage- und bedarfsorientiert einzuspeisen.

Seide appellierte abschließend: „Die meisten von uns haben ihre Biogas-Anlage nicht geerbt. Wir haben uns dafür entschieden eine Anlage zu betreiben, also sollte es auch in unserem Interesse liegen, wie es weiter geht“. Er schließt seine Präsentation mit den Worten Willi Brandts „Der beste Weg die Zukunft vorauszusagen, ist sie zu gestalten.“Merit-Order-Effekt lt. Bundesverband Erneuerbare Energien e.V.

Vortrag von Prof. Dr. Johannes Prüter, Biosphärenreservat Niedersächsische ElbtalaueIm Vortrag „Zukünftige Anforderungen an den Anbau von Energiepflanzen“ wies Prof. Dr. Johannes Prüter vom Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue auf den Rückgang der Artenvielfalt – als Resultat von einseitiger Bewirtschaftung von Landflächen hin. Prüter forderte, dass das politisch gesetzte Ziel der Erhaltung biologischer Vielfalt auf allen Ebenen bis hin zur betrieblichen fest verankert und mit geeigneten Instrumenten umgesetzt werden muss. Denn am Ende wirkt sich ein gestörtes Ökosystem auch auf die Grundlage und Arbeit des Landwirtes aus.

Produktneuheiten und altbewährtes

Doch bei dem geballten Vortragsangebot darf auch eine ausgiebige Pause nicht zu kurz kommen. Kaffee und Gebäck sorgten für das leibliche Wohl und die Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, sich über die Vorträge auszutauschen oder sich bei über 26 Ausstellern im Foyer und im Plenarsaal über altbewährtes, Produktneuheiten und Naturschutz zu informieren. Vor dem Veranstaltungsgelände konnten drei verschiedene Erd-/Biogas-Autos Probe gefahren werden.

Die Auswertung der Teilnehmerbefragung ergab, dass der Biogas-Fachkongress die Erwartungen erfüllt hat. Die Teilnehmer schätzten, die qualitativen und intensiven Gespräche mit Teilnehmern, Ausstellern und Referenten, die bei großen Messen oft nicht möglich sind. Die Länge und Qualität der Rednerbeiträge wurde durchweg mit gut bis sehr gut bewertet. Besonders lobten sie den hohen Praxisbezug der Referenten und die fundierten Informationen in den Fachforen. Viele Teilnehmer nutzten die Veranstaltung, um ihre Kunden in einem ungezwungenen Rahmen zu treffen und neue Kontakte zu knüpfen sowie um die Stimmung der Branche mitzukriegen.

Grud resümiert zufrieden mit dem Kongress: „Das Tolle an der Erneuerbaren-Energien-Branche ist die eingangs erwähnte Dynamik. Immer wieder kommen neue Techniken und Ideen auf den Markt. Ständig passiert etwas. Es bleibt also immer spannend und wir freuen uns schon auf den 8. Biogas-Fachkongress, der am Donnerstag, den 28. November 2013, wieder in Hitzacker stattfinden wird.“
Volker Schulze vom Fachverband BiogasNaturschutz Ausstellung der Bioenergie-Region Wendland-Elbetal auf dem Biogas-FachkongressAllianz und Enwamatic auf dem Biogas-Fachkongress 2012

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